Byfavo® (Remimazolam) in der Allgemeinanästhesie
Indikation
Byfavo® (Remimazolam) 50 mg wird angewendet bei Erwachsenen zur intravenösen Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie.1
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Inhaltsverzeichnis
Byfavo®
ultra-kurzwirksames Benzodiazepin für die Allgemeinanästhesie1
Informationen rund um die prozedurale Sedierung mit Byfavo® finden Sie hier:
Überblick zu Byfavo®
Schnell
Zuverlässig
Verträglich
Pharmakologische Eigenschaften von Byfavo®
Byfavo® (Remimazolam) ist ein kurzwirksames Benzodiazepin. Der entscheidende Unterschied zu anderen Benzodiazepinen ist die Einführung einer Carbonsäureester-Bindung.1, 6, 7 Diese Carbonsäureester-Bindung wird durch das Enzym Carboxylesterase rasch hydrolysiert, wodurch ein inaktiver Metabolit* entsteht.1, 6, 7
Der Metabolit CNS 7054 weist eine mindestens 300-mal geringere Affinität zu GABAA-Rezeptoren auf und gilt somit als nicht-aktives Stoffwechselprodukt.1, 8
Dies sorgt für einen schnellen Wirkungseintritt zu Beginn und eine schnelle Beendigung der Sedierung nach dem Eingriff – also eine vorhersehbare und kurze Wirkdauer.1, 6, 9
Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie mit Byfavo®
Studiendesign
Wichtige Einschlusskriterien:*, 3
- Alter ≥ 18 Jahre
- Geplante elektive Operation mit einer Mindestdauer von ca. 90 Minuten unter Allgemeinanästhesie
- ASA-PS-Score: III oder IV
- Geplanter Krankenhausaufenthalt von etwa 1 Tag zur Nachbeobachtung
- TIVA (total intravenöse Anästhesie) mit der Anforderung eines Endotrachealtubus und invasiver Blutdrucküberwachung
Primärer Endpunkt3
- Prozentualer Anteil der Zeit mit einem Narcotrend-Index (NCI) ≤ 60 während der Erhaltungsphase der Allgemeinanästhesie (Operationszeit)
Wichtige sekundäre Endpunkte:*, 3
- Zeit bis zu wichtigen Ereignissen§ nach der Operation
- Prozentualer Anteil der Zeit mit einem NCI ≥ oder ≤ 27 und ≤ 60
- Auftreten einer Hypotonie◊ nach der Induktion
* Ausgeschlossen wurden Patienten, bei denen eine spinale, epidurale oder regionale Anästhesie geplant war; Transplantations-, Herz- oder intrakranielle neurochirurgische Eingriffe; Patienten, die für den Eingriff in Bauchlage gelagert werden mussten; Notfalloperationen oder Eingriffe, bei denen eine postoperative Beatmung erforderlich war oder geplant wurde; chirurgische Eingriffe, bei denen ein hoher Blutdruck aufrechterhalten werden musste; schwere Hypertonie; ein Gesamtbilirubin-Wert von ≥ 3,0 mg/dl oder AST/ALT ≥ dem Dreifachen des oberen Normwerts (ULN) in Laborwerten, die innerhalb von 7 Tagen vor Beginn der Studienmedikation bestimmt wurden, oder andere Laborergebnisse, die den Patienten für die Studienteilnahme ungeeignet machten; terminale Niereninsuffizienz mit geplanter Dialyse; bekannte Anaphylaxie oder Allergie gegen die Wirkstoffe oder aufgeführte Hilfsstoffe; Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Magenaspiration; bekannte Abhängigkeit von ZNS-wirksamen Medikamenten oder Alkohol; sowie Schwangere oder Stillende. # Maximal 3 Bolusgaben innerhalb von 60 Minuten, mit mindestens 5 Minuten Abstand zwischen zwei Bolusgaben. § Zu den relevanten Ereignissen zählten: Lidreflex, Bewusstseinsverlust, Extubation oder Orientierung hinsichtlich Person, Zeit, Ort und Situation nach der Extubation. ◊ Angezeigt durch: MAD < 65 mmHg für ≥ 1 Minute; Bedarf an Noradrenalin-Bolusgaben oder kontinuierlicher Infusion > 2 Minuten; Abfall des MAD um > 20 % vom Ausgangswert für ≥ 1 Minute; Abfall des MAD um > 30 % vom Ausgangswert für ≥ 1 Minute.
Einleitung der Allgemeinanästhesie
Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie
Auch in der Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie sorgt Byfavo® für Stabilität und Kontrolle während der Narkose. Der prozentuale Anteil der Operationszeit mit einem Narcotrend-Index ≤ 60 lag unter Byfavo® bei 92,8 % und war ebenfalls nicht-unterlegen zu Propofol (99,1 %).3
* Byfavo® wurde unabhängig vom Körpergewicht dosiert (Titration zwischen ≥ 0,7 und ≤ 2,5 mg/min, zusätzlich waren Bolusgaben von 6 mg/min über 1 Minute erlaubt; maximal 3 Bolusgaben innerhalb von 60 Minuten, mit mindestens 5 Minuten Abstand zwischen zwei Bolusgaben). † Propofol wurde körpergewichtsabhängig dosiert (Titration zwischen ≥ 4 mg/kg/h und ≤ 10 mg/kg/h, zusätzlich waren Bolusgaben von 30 mg/kg/h über 1 Minute erlaubt; maximal 3 Bolusgaben innerhalb von 60 Minuten, mit mindestens 5 Minuten Abstand zwischen zwei Bolusgaben).
Hämodynamische Stabilität unter Byfavo®
Hämodynamische Instabilität ist ein zentrales Problem in der Allgemeinanästhesie. Bis zu ca. 90 % der Patienten erleben unter Allgemeinanästhesie mindestens ein hypotonisches Ereignis.*, 10 Intraoperative hämodynamische Instabilität ist assoziiert mit postoperativer hämodynamischer Instabilität in der Aufwachphase (in der PACU) und verlängertem Krankenhausaufenthalt.11 Damit ist sie ein unabhängiger Prädiktor für langfristige Morbidität und Mortalität bei Patienten.11, 12
* Eine retrospektive Beobachtungsanalyse von 22.109 Patienten mit ASA-PS III und IV an 11 Zentren in den USA ergab, dass in 88 % der Fälle mindestens ein hypotoner Vorfall (MAD < 65 mmHg) während einer nicht-kardialen Operation für mindestens eine Minute auftrat – mit einer durchschnittlichen kumulativen Dauer von 22,1 bis 31,8 Minuten.10
Hypotonie
Einsatz von Vasopressoren
| Byfavo® (N = 270) | Propofol (N = 95) | p-Wert | |
|---|---|---|---|
| Noradrenalin, µg/kg/Stunde | |||
| Induktion Zwischen Beginn der Studienmedikation bis 15 Minuten nach dem Hautschnitt, Mittelwert (SD) | 1,57 (1,75) | 2,69 (2,49) | < 0,001 |
| Während der Operation Zwischen Hautschnitt und letzter Hautnaht, Mittelwert (SD) | 1,71 (2,47) | 3,30 (3,42) | < 0,001 |
| Tabelle 1: Kumulative Noradrenalin-Dosis während Induktion und Operationszeit. Erstellt nach Fechner J et al. 2024.3 | |||
Verträglichkeit von Byfavo®
Byfavo® ist im Allgemeinen gut verträglich und zeigte keine wesentlichen Unterschiede im Verträglichkeitsprofil im Vergleich zu Propofol.1
Unerwünschte Ereignisse
| TEAE* | Byfavo® (N = 291) Patienten, n (%) | Propofol (N = 118) Patienten, n (%) |
|---|---|---|
| Beliebige TEAE | 269 (92,4) | 114 (96,6) |
| Beliebige schwerwiegende TEAE | 20 (6,9) | 12 (10,2) |
| Beliebige schwerwiegende TEAE, gemeldet durch Prüfarzt | 18 (6,2) | 9 (7,6) |
| Beliebige schwerwiegende TEAE, hochgestuft durch Sponsor | 22 (7,6) | 11 (9,3) |
| Beliebige schwerwiegende TEAE (kombiniert: Prüfarzt und Sponsor) | 36 (12,4) | 18 (15,3) |
| Beliebige arzneimittelbedingte TEAE | 197 (67,7) | 89 (75,4) |
| Beliebige schwerwiegende arzneimittelbedingte TEAE | 13 (4,5) | 3 (2,5) |
| Beliebige TEAE, die zum Absetzen des Medikaments führte | 2 (0,7) | 0 |
| Beliebige TEAE, die zum Abbruch der Studie führte | 0 | 0 |
| Tabelle 2: Übersicht der behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse (TEAE)*. Adaptiert nach Data on File. REF/DoF/008.13 | ||
* Sicherheitspopulation: Alle Patienten, die irgendeine Menge der Prüfmedikation erhalten haben. Alle Patienten wurden entsprechend der ihnen zugewiesenen Behandlung therapiert.
Ausgewählte Nebenwirkungen
| Nebenwirkung Begriff für gemeldetes Ereignis | Leicht (%) | Mäßig (%) | Schwer (%) |
|---|---|---|---|
| Bradykardie | |||
| Bradykardie | 6,1 | 3,7 | 0,3 |
| Verminderte Herzfrequenz | 1,2 | 0,6 | 0 |
| Hypotonie | |||
| Verminderter Blutdruck | 18,0 | 2,1 | 0 |
| Hypotonie | 14,8 | 9,7 | 0,6 |
| Verminderter mittlerer arterieller Druck | 3,0 | 0,1 | 0 |
| Prozedurale Hypotonie | 2,5 | 0,6 | 0 |
| Atemdepression | |||
| Verminderte Sauerstoffsättigung | 3,7 | 0,7 | 0,3 |
| Hypoxie | 3,0 | 0,3 | 0 |
| Tabelle 3: Ausgewählte Nebenwirkungen, die bei mindestens 1 % der Patienten berichtet wurden, angegeben nach Schweregrad. Adaptiert nach Byfavo® 50 mg Fachinformation.1 | |||
Anwendung und Dosierung von Byfavo®
Empfehlungen zur Dosierung von Byfavo®
Zur Einleitung der Allgemeinanästhesie wird eine Dosierung von 6 mg/min empfohlen, in bestimmten Situationen kann auch bis maximal 12 mg/min hochtitriert werden.1 Die Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie erfolgt mittels kontinuierlicher Infusion, wobei eine Startdosis von 1 mg/min empfohlen wird (Spanne 0,1–2,5 mg/min*).1 Gemäß klinischer Notwendigkeit können Bolusgaben von 6 mg über 1 Minute gegeben werden – innerhalb von 60 dürfen maximal 3 Bolusgaben im Abstand von mindestens 5 Minuten verabreicht werden.1 Etwa 15 Minuten vor Ende der Operation kann die Gabe von Byfavo® heruntertitriert werden.1
* Basierend auf klinischem Ermessen zur Aufrechterhaltung einer zufriedenstellenden Allgemeinanästhesie.
Um den Text lesefreundlich zu gestalten, wird das generische Maskulinum verwendet; alle Personenbezeichnungen beziehen sich auf alle Geschlechter.
Abkürzungen
ASA-PS: American Society of Anesthesiologists Physical Status;
ALT: Alanin-Aminotransferase;
AST: Aspartat-Aminotransferase;
GABA: γ-Aminobuttersäure;
MAD: mittlerer arterieller Druck;
NCI: Narcotrend-Index;
PACU: Post Anaesthesia Care Unit (postoperative Aufwacheinheit);
TEAE: behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse;
TIVA: total intravenöse Anästhesie;
ULN: upper limit of normal.
Referenzen
1. Byfavo® Fachinformation, Stand 07/2024.
2. Aszkiełowicz A et al. R. Anaesthesiol Intensive Ther. 2025;57(1):257–266.
3. Fechner J et al. Anaesthesia. 2024;79:410–422.
4. Doi M et al. J Anesth. 2020;34(4):491–501.
5. Doi M et al. J Anesth. 2020;34(4):543–553.
6. Pambianco DJ und Cash BD. Gastrointest Endosc. 2016;18:22–28.
7. Whizar V et al. J Anesth Crit Care Open Access. 2016;4:00166.
8. Scheckenbach et al. Anästh Intensivmed. 2021;62:111–117.
9. Pastis NJ et al. Chest. 2019;155:137–46.
10. Shah NJ et al. J Clin Anesth. 2020;66:109961.
11. Abebe MM et al. Ann Med Surg. 2022;74:103321.
12. Denault A et al. Semin Cardiothorac Vasc Anesth. 2010;14:165–182.
13. Data on File. REF/DoF/008.
DE-GA-0012, Feb 26